Früher sprach man vom „Rauschen im Blätterwald“ und meinte die Legionen von Meldungen, Berichten und Reportagen in gedruckten Presseerzeugnissen. Heute passt schon die Metapher eines Taifuns nicht mehr, wenn wir die Myriaden von Daten, Fakten und Funksignale beschreiben wollten, die uns sekündlich um die Ohren fliegen. Eher mag in diesem Zusammenhang die Vorstellung vom Asteroidengürtel opportun erscheinen, in dem die Medienkonsumenten des Jahres 2015 leben und ohne Pause von Nachrichten per TV, Radio, Websites, Apps, Podcasts, RSS-Feeds, Zeitungen, Magazinen, gedruckten und elektronischen Büchern und Newslettern beschossen werden. Exponentiell gewachsen ist die schiere Zahl von News und Fakten besonders mit der rasanten Verbreitung digitaler Trägermedien, den Smartphones und Tablets, die mit mobilen Websites und Apps die Menge an Informationen um mindestens den Faktor 1000 multiplizieren.

Fakten und Fiktionen

Der „Nachrichtenmarkt“, die „Informationslandschaft“, und wie weitere Euphemismen heißen mögen, existieren nicht mehr. Wir bewegen uns auf einem dreidimensionalen Data Killing Floor, einem Schlachtfeld von Fakten und Fiktionen, Namen und Nachrichten, Bildern und Impressionen: wenig Reflexion, unendlich viel Suggestion. Das geht uns Publizisten und Publishing Companies, Verlagen, Medienhäusern, Presseabteilungen und Communication Units, die wir zur Verdichtung von Information und nicht selten auch zur Vermüllung des Orbits beitragen, nicht anders als gewöhnlichen Mediennutzern. Eigentlich ist es ein Wunder, dass extraterrestrische Welten noch nicht aufmerksam geworden sind – auf die gigantische Wolke aus Bla und Blub, die um die Erde wabert.

Wie es bei einer Korrespondententagung der Wirtschafts- und Finanzzeitung Handelsblatt einmal hieß, zu deren Redaktion ich in den 1990-er Jahren gehörte, prägen Journalisten und Publizisten die Meinung der Öffentlichkeit sehr viel stärker durch die Auswahl ihrer Themen als durch ihre Darstellung, durch Fakten, die Diktion und durch ihre individuelle Interpretation. Das gilt auch heute noch. Nein, das gilt noch um vieles mehr, da wir uns regelrecht schützen müssen vor diesem Gewitter an Daten und Fakten, die wie Teilchen in einer elektrostatisch hoch aufgeladenen Atmosphäre permanent und rücksichtslos auf uns einprasseln.

Was erzeugt nicht nur „Geräusch“?

Welche Informationen sind wirklich von Nutzen, was bringt uns weiter, was steigert den Erkenntniswert – und, Pardon, was kann getrost sofort wieder vergessen werden, weil es nicht im entferntesten wert ist, abgespeichert und aufbewahrt zu werden? Was erzeugt nicht nur „Geräusch“, sondern hinterlässt auch Spuren, die Wege weisen? Das sind Fragen, die mich als Medienmenschen bewegen und die ich in diesem Blog stellen will, der für Verleger und ihr Management, für Journalisten, Autoren und Texter sowie für Werbetreibende und Kommunikationsbeauftragte in Unternehmen und Organisationen interessant sein mag.

Selbstverständlich erhebe ich keinen Anspruch auf die Repräsentativität meiner Auswahl der aus meiner persönlichen Perspektive bedeutenden und erwägenswerten Nachrichten aus der Medienbranche. Sie ist subjektiv – und manche mögen urteilen: einseitig, schwarz-weiß, tendenziös. Ich bekenne mich dazu, da ich doch schon einige Lebenszeit und „auf beiden Seiten des Schreibtisches“ – als Journalist und Redakteur, Buchautor, Dozent und Moderator, als Verlagsmanager und Medienberater – in der Medienwelt zugebracht habe.

Lust am Auseinander-Pflücken

Letzteres hat dazu beigetragen, dass ich manchen Hype im Blätterwald und Datenstrom heute auch amüsiert und mit größerer Distanz zu den eigenen Überzeugungen oder Erfahrungen zur Kenntnis nehmen kann. Gleichwohl aber, und das mag durchaus als Paradoxon erscheinen, ist die Lust am Hinterfragen, Auseinander-Pflücken und Interpretieren größer denn je. Hieraus speisen sich Real-Satiren, die mitunter juxend aus den Laptop-Tasten quellen, und die sie, neben allem Nützlichen und Wissenswerten, letztlich auch unterhalten sollen.

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