Schlafmützen im Homeoffice – oder in der Chefetage?

Schlafmützen im Homeoffice – oder in der Chefetage?

Zwei Jahre Corona. Da sollten wir annehmen können, dass sich Führungskräfte mittlerweile digitale Techniken der Mitarbeiterführung und Mitarbeiterkommunikation angeeignet hätten. Doch weit gefehlt: Mehr als ein Drittel der Managerinnen und Manager in Deutschland befürchtet, dass ihre Belegschaft bummelt, wenn das Unternehmen flexibles Arbeiten ermöglicht. Das ergibt eine aktuelle Yougov-Umfrage im Auftrag von LinkedIn unter 2.000 Führungskräften in elf Ländern. Erneut ein schlechtes Zeugnis für den Digitalstandort Deutschland – aber auch für die Führungskultur.

37 Prozent der deutschen Führungskräfte, so die repräsentative Umfrage, befürchten im Zuge flexibler Arbeitszeitmodelle negative Folgen für das eigene Unternehmen. Und nicht weniger als 38 Prozent konkretisieren ihre Skepsis mit der Vermutung, dass die MitarbeiterInnen ihrer Arbeit nicht mit der erforderlichen Konsequenz erledigten.

„Vertrauen ist gut – Kontrolle besser“…

Wie sieht das in anderen Ländern aus? Der Durchschnitt der „Besorgten“, die generell negative Folgen für das Unternehmen befürchten, liegt bei 30 Prozent. In Irland äußern sogar 40 Prozent Bedenken, in Italien hingegen sind es nur 20 Prozent der Befragten. Geringen Arbeitseifer im Homeoffice unterstellen lediglich 17 Prozent der Manager in Italien und Brasilien, in Großbritannien sind es 21 Prozent und in Frankreich 22 Prozent.

Auf der anderen Seite nehmen 71 Prozent der befragten Manager in Deutschland für sich in Anspruch, ihre Mitarbeiter remote führen zu können, und 84 Prozent erkennen sogar die Vorteile der Arbeit im Homeoffice, da Mitarbeiter auf diese Weise berufliche Anforderungen und familiäre Verpflichtungen besser miteinander vereinbaren könnten.

Chancen der Flexibilität werden nicht ernst genommen

Offensichtlich ist diese Einsicht nur theoretisch, ansonsten wäre der Anteil der Kritiker flexibler Arbeitszeitmodelle nicht so hoch. Und so passt es ins Bild, dass mehr als zwei Drittel der Managerinnen und Manager ihre Belegschaft auch künftig an drei bis fünf Tagen über die Arbeitswoche wieder im Unternehmen sehen wollen. Das Vertrauen in die Effizienz der Arbeitskontrolle scheint größer zu sein, als das Vertrauen in die Motivation der Mitarbeiter.

Die Ergebnisse der Studie stimmen bedenklich, da die Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie von bald zwei Jahren in vielen Chef-Etagen offensichtlich nicht dazu genützt wurden, sich ernsthaft mit den großen Chancen flexibler Arbeitszeitmodelle auseinanderzusetzen. Insofern scheint „New Work“ hierzulande nicht mehr als eine wohlklingende Phrase zu sein.

Kann der Chef loslassen?

Woran liegt das? Es gibt viele Gründe, die für die verbreitete Skepsis verantwortlich sind. Allen voran scheint es mir jedoch um eine grundsätzliche Einstellung gegenüber Menschen zu gehen, die erst einmal nichts mit der Fähigkeit der jeweiligen Führungskraft zu tun hat, neue technische und digitale Werkzeuge für Videokonferenzen und weitere Gruppen- oder Einzel-Besprechungen mit Mitarbeitern einzusetzen.

Gefragt ist vielmehr die prinzipielle Bereitschaft von Führungskräften, „loszulassen“, Verantwortung zu delegieren, Mitarbeitern und ihrer Motivation insoweit zu vertrauen, dass diese sehr wohl imstande sind, Aufgaben eigenständig und eigenverantwortlich zu erledigen. Insofern handelt es sich bei einer solchen Einstellung von Managern um ein Charakteristikum, das sowohl in einer analogen als auch in der digitalen Arbeitsumgebung gegeben, oder eben nicht gegeben, ist.

Zielvereinbarungen können Vertrauen schaffen

Um Vertrauen in Mitarbeiter zu entwickeln, ist es wichtig, Ziele, Aufgaben und Maßnahmen zu planen und konkret zu definieren. Doch an der Strukturierung und Priorisierung des Arbeitsvolumens scheitern Führungskräfte mitunter. Zum einen, weil sie die übergeordneten Ziele des Unternehmens, zum Beispiel eine angestrebte Qualitätsführerschaft in Märkten, nicht in Ziele für die Belegschaft „herunterbrechen“ können, oder weil sie diese nicht ausreichend, verständlich und nachhaltig genug kommunizieren. Hier kann die Formulierung von Zielvereinbarungen helfen, die den Kern der Führungsmethode Management by Objektives (MbO) bilden. Eine weitere Ursache für mangelndes Vertrauen geht häufig auf ein ungeeignetes Berichtssystem zurück, wodurch die Führungskraft nicht beizeiten und präzise genug erfährt, wo Mitarbeiter bei der Erledigung ihrer Aufgaben stehen.

Letztlich, und auch das hat zuvorderst nichts mit „Digitalisierung“ zu tun: Wie ist es um das Selbstbild des Managements bestellt? Ein paternalistisches oder gar autoritäres Führungsverständnis steht zweifelsohne im Gegensatz zu flexiblen Arbeitszeitmodellen, die Mitarbeitern in der Regel höhere Entscheidungssouveränität und mehr individuelle Gestaltungsmöglichkeiten einräumen. Agiles Arbeiten lebt von einem Vertrauensvorschuss, der eine attraktive und förderliche Arbeitsumgebung ermöglicht, in der Ergebnisse Vorfahrt vor Anwesenheitspflicht und einer „Nine-to-five-Mentalität“ haben. Und wenn die angestrebten und geplanten Ergebnisse stimmen: So what?

Misstrauen von Führungskräften untergräbt die Motivation von Mitarbeitern. Und ohne eine motivierte Belegschaft lassen sich dauerhaft keine guten Ergebnisse erzielen. Das gilt sowohl für digitale als auch analoge Arbeitsumgebungen. Persönliche Entwicklungsmöglichkeiten und größere Souveränität über die Aufteilung der individuellen Arbeitszeit können die Motivation hingegen erhöhen. Dabei sollten Führungskräfte ihr Augenmerk weniger auf die Befürchtung richten, Mitarbeiter könnten im Homeoffice bummeln als auf das Gegenteil: So ergeben viele aktuelle Studien, dass Homeoffice-Tätigkeiten in aller Regel die persönlich gefühlte Arbeitsbelastung steigern (F.A.Z. Business Media, Redaktion Personalwirtschaft: https://www.personalwirtschaft.de/der-job-hr/arbeitswelt/artikel/arbeitsbelastung-nimmt-durch-corona-krise-weiter-zu.html). „Chefsache“ wäre es deshalb, für effiziente Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten für Teams in der Remote-Führung, ein zuverlässiges Meeting-Management und für eine individuell verträgliche Anpassung von Arbeitsaufträgen zu sorgen.

Erinnerungskultur – und Insta, TikTok & Co.

Erinnerungskultur – und Insta, TikTok & Co.

Neue und innovative digitale Formate in der Erinnerungskultur und bei der öffentlichen Vermittlung des Nationalsozialismus müssen eine künftig noch größere Rolle als bisher spielen. Das gilt besonders für die Aufgabe, junge Altersgruppen in den gesellschaftlichen Diskurs um Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus einzubinden und ihre Aufmerksamkeit für Themen wie Holocaust und Verfolgung auch jenseits klassischer Bildungsstrukturen zu gewinnen.


Dabei dürften die Sozialen Netzwerke eine entscheidende Rolle spielen, denn nach Angaben von destatis nutzen 89 Prozent der 16- bis 24-jährigen Jugendlichen in Deutschland diese Plattformen durchschnittlich 84 Minuten täglich. Darüber hinaus belegen die „Grunddaten Jugend und Medien 2020 vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI)“, dass sich zwei Drittel der Altersgruppe „im Internet“ über das politische Geschehen in Deutschland und der Welt informiert. Das ist nicht verwunderlich, da mehr als 90 Prozent aller jungen Leute ein Smartphone und mehr als 70 Prozent ein Laptop oder Tablet besitzen. Hier heißt es also, der kommunikationswissenschaftlichen Empirie zu folgen, die da sagt: Sende deine Botschaften dorthin, wo sich deine Empfänger aufhalten – und wo sie dich verstehen.

Lernen heißt nicht gleich Wissen

Dabei ist besonders das „Verstehen“ wichtig, denn eine Studie des TV-Senders CNN (2019 zitiert auf stern.de) zeigt, „dass Lernen nicht gleich Wissen heißt“. So ergab die Untersuchung, dass rund 40 Prozent der deutschen Jugendlichen zwischen 18 bis 34 Jahren einräumen mussten, ‚wenig‘ oder ‚gar nichts‘ über den Holocaust zu wissen. 33 Prozent der Europäer schätzten ihr Wissen als ‚gering‘ ein.“

Wie kann das sein? Wie ist es möglich, dass beinahe die Hälfte der Jugendlichen in Deutschland so gut wie nichts über ein Menschheitsverbrechen weiß, dass die eigene Geschichte, die Geschichte von Eltern und Großeltern und die Geschichte ihrer Heimat tief und unauslöschlich prägt? Wie kann das sein – bei all den Lehrplänen, Schulbüchern, Filmen, bei all dem öffentlichen Gedenken in Deutschland?

Geschichte – häufig kein eigenständiges Schulfach mehr

Dazu hat der „stern“ auch mit Patrick Siegele, der das Anne Frank Zentrum in Berlin leitet, gesprochen. Siegele berichtet, dass die Körber Stiftung bereits 2017 festgestellt hat, dass nur die Hälfte der 14- bis 16-jährigen wisse, was Auschwitz-Birkenau war. Was ihn allerdings auch nicht verwundere, da es beispielsweise in immer weniger Bundesländern („Bildung ist Ländersache“) in der Mittelstufe Geschichte als eigenständiges Schulfach gebe. Das habe natürlich Auswirkungen auf historisches Wissen.

Das mag eine der vielen Ursachen für die Tatsache sein, dass heute nicht wenige  Jugendliche hinsichtlich der jüngsten deutschen Zeitgeschichte alles andere als daten- und faktensicher sind. Siegele macht jedoch auf einen weiteren Punkt aufmerksam, der mir mindestens ebenso wichtig erscheint: „Jugendliche“, so sagt er, „haben ein Gespür dafür, ob es im Unterricht zur NS-Geschichte nur um die Erzeugung von Betroffenheit geht oder um Sinnstiftung für ihre Lebenswelt heute.“

Reflexion über die eigenen Werte

Und hier könnte sich ein Kreis schließen, denn wenn es richtig ist, dass sich zwei Drittel der jungen Altersgruppe „im Internet“ über das aktuelle und historische politische Geschehen informiert, dann finden Jugendliche auf diesen Plattformen auch einen erheblichen Teil der „Sinnstiftung für ihre Lebenswelt“. Dazu gehören zweifellos die Reflexion über Werte, Einstellungen und Grundhaltungen, die Bildung von sozialer Verantwortung und menschlicher Empathie, ein Bewusstsein über den Wert von Demokratie, Pluralismus und Menschlichkeit sowie über das Risiko von Zivilisationsbrüchen durch Stereotypen und Vorurteile. 

Wie bitte? Ausgerechnet in den „Unsozialen“ Netzwerken, auf Plattformen, die in Lügengeflechten und Fakes, Verschwörungstheorien und Schwurbeleien, in Hate Speech von persönlichen Beleidigungen bis hin zu Drohungen ertrinken? Ja, gerade deshalb. Denn Fakt ist und Fakt bleibt, dass der Großteil an jungen Leuten dort zu finden ist, sich über „die Welt“ informiert und sich Meinungen und Einstellungen bilden, die für ihr künftiges Verhalten entscheidend sind.

Eine Replik…

Dieser Blogbeitrag ist eine Replik auf einen LinkedIn-Post der Alfred Landecker Foundation zum Thema Digitalstrategien und zeitgemäße Kommunikationsformate zur Vermittlung erinnerungskultureller Inhalte: (https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6862315792957014016/)

Bilderflut: Nicht jedes Foto sagt mehr als „1000 Worte“!

Bilderflut: Nicht jedes Foto sagt mehr als „1000 Worte“!

Auch im Journalismus gibt es Überzeugungen mit ikonischem Charakter, die irgendwann zu einem ungeschriebenen Gesetz werden. Dazu gehört die Erkenntnis: „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“. Ist das im Zeitalter der Digitalisierung tatsächlich (noch) so? Ich habe den Eindruck, dass diese Weisheit einer Ergänzung bedarf, die da lautet: „(…) Aber immer häufiger ist mit 1000 Worten 1000 Mal mehr gesagt!“ 

Alle RedakteurInnen kennen das Problem: Die Meldung oder die Story ist im Kasten, an der Headline und den Zwischentiteln wird der letzte Feinschliff angelegt und der Teaser nach SEO-Kriterien gecheckt. Fertig. Was jetzt noch fehlt, ist ein aussagekräftiges Bild… Und exakt an dieser Stelle lauert das Risiko, mit der Auswahl einer x-beliebigen Illustration die eigene Leistung qualitativ zu verhunzen! Denn, was vor dem Siegeszug des Internet als zusätzliche Aufwertung journalistischer Arbeiten in Form einer gelungenen Kombination von Text und Bild galt, eine Kombination mit beidseitig sich verstärkender Wirkung, erzielt heute nicht selten den gegenteiligen Effekt: Bilder vermurksen die Qualität guter Texte weit häufiger als sie diese verstärken.

Stocks: Millionen Bilder für Millionen?

Ein ungerechtes Urteil? Dann machen wir doch die Probe auf’s Exempel. Sie arbeiten für ein Fachmedium und gehen auf die Suche nach „passenden“ Bildern für das Thema „Change Management“. Der Hintergrund Ihrer Story: Die Branche befindet sich im Umbruch, der internationale Wettbewerb wird stärker, traditionelle Führungsmodelle stehen infrage, da sie langwierige und schwerfälige Entscheidungsprozesse verursachen. Alle reden über agile Teams, flache Hierarchien und kürzere Innovationszyklen. Für die Wahl einer Illustration hat Ihr Verlag ein oder mehrere Abos mit einschlägig bekannten Bildagenturen wie Adobe Stock (ehemals Fotolia), Alamy, Shutterstock, iStockphoto by Getty Images oder AdPic abgeschlossen. Es gibt noch weitere „Stocks“, aber zum jetzigen Zeitpunkt sei es damit genug. Also, los geht’s!

Was wird geboten? Angeblich sehen wir „Millionen verschiedener und jeweils einzigartiger Bilder renommierter Fotografen“, die uns aufgrund ihrer schieren Vielfalt die Wahl zur Qual machen. Schön wäre es ja, leider aber ist das Gegenteil der Fall. Denn was wir tatsächlich sehen sind Bilder, die das Thema mehr schlecht als recht symbolisieren: zig-Spielereien mit Scribble-Würfeln, die den Begriff Change Mangement bilden, Pfeile, die in gegensätzliche Richtungen streben, nebulöse Wordclouds oder stilisierte Geschäftsmänner, die vor einer großen Wand mit dem Schriftzug „Change Management“ stehen und sich an die Stirn fassen… Bei einer Umstellung oder Erweiterung der Suchanfrage auf Begriffe wie „Innovationszyklus“, „Führung“, „Wettbewerb“, „Agil“ etc.pp. wird’s nicht besser. Kurzum: Wir bekommen Kinderkram, den man am Thema interessierten LeserInnen eigentlich gar nicht zumuten kann.

Haben Bilder noch „dokumentarischen“ Charakter?

Jetzt können Sie einwenden, dass in diesem Beispiel ausgerechnet ein abstraktes Thema ausgewählt wurde, das ohnehin kaum vernünftig zu illustrieren ist. Zugegeben: Tageszeitungen und politische Magazine tun sich bei der Illustration ihrer Texte naturgegebenermaßen leichter, weil ihre Themen überwiegend mitten aus dem Leben gegriffen sind. Ob es um die Ressorts Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur, Szene oder Gesellschaft geht, liegen hier print wie online Bilder mit dokumentarischem Charakter nahe, die textliche Aussagen unterstützen. Und je stärker eine Zeitung, ein Magazin oder Webportal von der lokalen oder regionalen Berichterstattung lebt, desto wichtiger sind authentische Bilder von Personen und Locations, die Lesern und Nutzern bekannt sind. Dabei kann es durchaus sein, dass die Euphorie und Verzückung im Gesicht eines Sportlers, der eine lokale Meisterschaft für sich entschieden hat, den Wert besitzt, für sich alleine zu stehen und bildhaft die Kerninformation der Nachricht plastischer und nachdrücklicher vermittelt als der Text eines Interviews, in dem der Athlet wie ein Bundesligakicker zum wiederholten Male ein „Wie geil ist das denn!“ und „Ich kann’s nicht fassen,“ stammelt. Insofern, ja – solche Bilder können tatsächlich „mehr als 1000 Worte“ sagen.

Bei vielen anderen Beispielen ist das aber nicht der Fall. Denn besonders in Fachmedien und Publikumszeitschriften, print wie online, fällt auf, dass der dokumentarische Charakter von Bildern sowie der Anspruch an Illustrationen, diese sollten zusätzliche Informationen für Leser und Nutzer als Mehrwert transportieren, immer mehr verloren geht. Die Ursachen sind vielschichtig: Bei Publikumsmedien wie Illustrierten kommt Service- und Ratgeberinhalten immer mehr Bedeutung zu, die viele allgemeine Themen behandeln. Bei Fachmedien (besonders mit technischen Bezügen) werden Themen, die sich nicht authentisch mit Gebäuden, Anlagen und Unternehmen vor Ort bebildern lassen, symbolhaft illustriert.

Beliebige Bild“kompositionen“ und austauschbare Models

Gute Beispiele hierfür sind Themenbereiche im IT-Umfeld wie Blockchain, Cloud-Computing, Künstliche Intelligenz (KI) oder Internet of Things (IoT). Hier machen die „Stocks“ dieser Welt so richtig Asche, und eine kurze Suchanfrage mit den erwähnten Begriffen macht schnell deutlich, wie viele dieser Bild“kompositionen“ man schon gesehen hat – oder mit anderen Worten: wie beliebig und austauschbar die Ware ist! So beliebig und austauschbar übrigens wie die ungezählten Bilder mit glattgesichtigen und wohlproportionierten Models, die von ihren Fotoagenturen heute vor Laptops gesetzt werden, um Storys über Banken, Finanzierung und Versicherungswirtschaft zu illustrieren und morgen als Fachpersonal am Steuerungsaggregat einer Maschine zur Verbildlichung einer Geschichte über Fräsen und Stanzen oder Industrie 4.0 abgelichtet werden. 

Aber es gibt noch weitere Ursachen für diese, in meinen Augen sehr bedenkliche, Entwicklung für die journalistische Qualität. Da sind zum einen die Kosten: Viele Redaktionen wollen und können sich keine eigenen Fotografen mehr leisten. Gute Bilder, die speziell für die Illustration von Storys in Auftrag gegeben werden, sind teuer, und die (richtige und lange überfällige) Stärkung der Urheberrechte von Fotografen haben ein weiteres dafür getan, dass originäre Auftragsarbeiten der Kosten-Nutzen-Analyse häufig zum Opfer fallen. Und zum anderen, und das ist der tiefere Anlass dieses „Tipps für Redaktionen“, gibt es die Erfahrung vieler JournalistInnen, dass ihre Texte über alle Mediengattungen hinweg an Wert eingebüßt haben. So hören wir: „Leser überfliegen heute die Texte doch nur noch“ oder gar: „Wer liest heute denn überhaupt noch?“

Fotos sollen Leser in den Text „hineinziehen“

All das scheint der Überzeugung „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ in die Hände zu spielen. Und da ist letztlich ja auch noch das systemische Prinzip im digitalen Publishing, das Beiträgen nur dann die Aufmerksamkeit von NutzerInnen verschafft, wenn sie mit „attraktiven“ Bildern illustriert werden. Mit Bildern also, die Leser „so richtig ins Thema hineinziehen“… Und, bitteschön, den Erfolg dieses „Hineinziehens“ kann auf Websites wie in Sozialen Medien (angeblich) ja auch gemessen werden: mit Klickraten, der Zahl von Fans und Likes und Kommentaren.

Tatsächlich? Ich bestreite das. Erstens kenne ich keine einzige seriöse Studie in der Mediennutzungsforschung der vergangenen zwei Jahrzehnte, die methodisch und in sich konsistent den Zugewinn an Attraktivität von Beiträgen durch damit verknüpfte Illustrationen dahingehend belegt hätte, dass etwa die Häufigkeit des Zugriffs auf einen gleichen Beitrag mit Illustrationen unterschiedlicher Qualität gemessen worden wäre. Und nur ein solches Studiendesign kann seriöse Aussagen über die Qualität von Bildern als Anreiz für die Lektüre von Beiträgen erbringen! Was wir lediglich wissen, aber das ist eine Binsenweisheit: Aufgrund der veränderten Mediennutzungsgewohnheiten, die die Art des Konsums der Informationen vom Internet auch auf Printmedien übertragen haben, werden Texte ohne Illustration sehr viel weniger beachtet, das heißt gelesen, angeklickt und aufgerufen.  

5 Empfehlungen für gelungene Illustrationen

Die Überzeugung „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ wird dadurch also nicht richtiger. Im Gegenteil: Durch die beschriebene und häufig zu kritisierende Beliebigkeit in der Auswahl und Verwendung von Bildern in Print- und digitalen Medien in Form einer „Illustrationskulisse“ ohne Mehrwert und zusätzlicher Information wird der Eindruck journalistischer Qualität gemindert. Schwache und „gesichtslose“ Illustrationen ziehen nicht „hinein“, sondern „hinab“. Weil sie Medienprodukte austauschbar und beliebig machen.

Wenn Sie Wert darauf legen, dass nicht nur Ihre Texte, sondern auch das Umfeld, in dem sie präsentiert werden, aus Sicht Ihrer Leser und Nutzer den Eindruck des Besonderen und von Einzigartigkeit vermitteln sollen, dann legen Sie auch an die Auswahl der Illustrationen ähnliche Qualitätsmaßstäbe wie an Ihre Texte an. Dazu einige Empfehlungen:

  • Verwenden Sie so oft es möglich ist authentische und originäre Fotografien, die Sie oder Ihr Team selbst an Ort und Stelle geschossen haben (bei Reportagen, Messen, Veranstaltungen, Interviews und Kundenbesuchen) – Schnappschüsse mit guter Auflösung, die mit handelsüblichen Handys aufgenommen werden, liefern für Websites in der Regel eine gute Qualität; 
  • reduzieren Sie die Anzahl der eingesetzten Stock-Fotos und/oder wählen Sie bei verwendeten Produkten dieser Art einen besonderen Bildausschnitt, z.B. zur Hervorhebung eines Details, oder schneiden Sie das Foto in einem außergewöhnlichen Format zu;
  • vermeiden Sie grundsätzlich den Einsatz von Symbolbildern zur Illustration konkreter Themen und fügen Sie lieber zusätzliche Infoboxen mit Checklisten oder weiteren Nutzwertformaten, Sonderformate wie „Die Zahl des Monats“ o.ä. und gestalterisch hervorgehobene Zitate von den in der Story erwähnten Personen an;
  • publizieren Sie möglichst häufig Fotografien von Menschen – das erhöht in aller Regel die Bindungswirkung zum Medienprodukt;
  • setzen Sie dosiert (gute und aussagekräftige!) Infografiken ein, die komplexe Zusammenhänge plastisch veranschaulichen  (Tipp: Falls Sie es noch nicht kennen, sehen Sie sich dazu das Katapult-Magazin an: https://katapult-magazin.de/de).

Tipps für Redaktionen, besonders in den Bereichen Redaktionelle Organisation und Mitarbeiterführung, Workflow- und Qualitätsmanagement, Optimierung von Abläufen und technischen Prozessen, Content Management und Digitalisierung, finden Sie stets aktuell auf meiner Website https://www.leuthner-publishing-consulting.de

Informieren Sie sich noch oder talken Sie schon?

Informieren Sie sich noch oder talken Sie schon?

Wo haben Sie sich seit Anfang 2020 über die jeweils aktuellen Entwicklungen in der Corona-Pandemie, über politische Affären und Skandale oder über die Positionen der Parteien im Bundestagswahlkampf informiert? Natürlich haben Sie „Tagesschau“, „Tagesthemen“ und „heute“  eingeschaltet, ihre Bookmarks zu Nachrichtenmedien am Rechner geklickt, Radio gehört und ab und an auch Zeitung gelesen. Immer häufiger haben Sie aber auch, geben Sie es ruhig zu, die beliebten Polit-Talks in ARD und ZDF geguckt. 

Kräftige Steigerungen bei den Einschaltquoten

So erfolgreich wie zurzeit waren die modernen Zirkusmanegen des Öffentlich Rechtlichen Fernsehens, in denen PolitikerInnen wie Gladiatoren gegeneinander antreten, jedenfalls noch nie. So ermittelte die Marktforschung (alle Zahlen nach einer watson-Recherche bei ARD und ZDF), dass seit März 2020 durchschnittlich 3,15 Millionen Fernsehzuschauer jeden Talk „Hart aber Fair“ von Frank Plasberg sehen (+ 10,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat), „Anne Will“ schalten seit März 2020 durchschnittlich 4,14 Millionen Menschen ein (+ 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat), Sandra Maischbergers Talk-Format „Die Woche“ konnte die Einschaltquote um 15 Prozent steigern, „Maybrit Illner“ um gut 10 Prozent und Markus „Lanz“ gar um 22 Prozent. 

Damit aber noch nicht genug: Auch die Zugriffe über die Mediatheken schießen seit März 2020 durch die Decke. So zitiert watson einen ZDF-Sprecher, der über das Interesse am „Lanz“-Format ganz aus dem Häuschen ist: „Online erreichte das Angebot insgesamt 18,46 Millionen Sichtungen – ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch auf Youtube werden die Videos der Sendung hunderttausendfach, manchmal mehr als eine Million Mal, angesehen.“

Zugewinne in der Corona-Pandemie

Eine Erklärung für das rasante Wachstum der Talk-Quoten liegt mit Sicherheit im Verlauf der  Corona-Pandemie. Besonders während der Lockdowns wurde ohnehin mehr Zeit in den Konsum von Medien investiert. Doch gewiss war das Thema Corona für alle Talk-Formate im TV schlichtweg ein Geschenk des Himmels. Kaum eine Sendung kam standardgemäß ohne eine Virologin oder den Virologen aus, die über die jeweils neueste pandemische Entwicklung, ihre Prognosen und Interpretationen sowie über die Verhältnismäßigkeit der empfohlenen Maßnahmen befragt werden konnten. Insofern hat die Pandemie die Attraktivität der Talkshows, zusätzlich zur Bekanntheit von Virologen, Epidemiologen und Intensivmediziner, sicherlich dramatisch gepusht.

Darüber hinaus haben die vergangenen zwei Jahre aber auch das Koordinatensystem der politischen Kommunikation weiter verändert. Was schon lange zu beobachten ist, ist der Zuwachs an öffentlicher Aufmerksamkeit für Infotainment-Formate im TV. Sowohl die Vermischung von Information und Unterhaltung (Entertainment) als auch eine völlig unjournalistische Vermengung von Nachricht und Meinung, die häufig als „Haltung“ daherkommt, wird zu einem neuen Standard. Natürlich hat das Folgen für den Prozess der politischen Meinungs- und Willensbildung der BürgerInnen, die Plasberg, Maischberger & Co. zunehmend als mediale Werte-Vermittler zwischen sich selbst und politischen Angeboten empfinden, über die sie letztlich bei Wahlen entscheiden. 

Wachstum auf Kosten klassischer Medien

Folgen hat diese Entwicklung darüber hinaus für klassische Nachrichtenmedien im Printsegment, wie Zeitungen und (politische) Magazine, sowie für Newsportale im Internet. Beide Mediengattungen verlieren an Relevanz in der Wahrnehmung von Medienkonsumenten, und es ist schon auffällig, wie intensiv und mit welch hoher Frequenz die Webklone von Spiegel, Focus, Bild, Zeit, FAZ, Süddeutsche und Welt jeweils über die aktuellen Polit-Talks im Fernsehen nach-berichten und dort gemachte Aussagen von PolitikerInnen zitieren. Keine Frage: Die Sendungen der Big Five im Talkbusiness des Öffentlich Rechtlichen Fernsehens haben ihre Relevanz in der politischen Debatte ganz erheblich gesteigert. Sie haben Macht und Einfluss.

Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass sich renommierte Politik-JournalistInnen aus bekannten Printmedien bei Lanz, Illner, Maischberger, Plasberg und Will die Klinke in die Hand geben. Zu Stammgästen in den Fernsehstudios sind u.a. Robin Alexander (stv. Chefredakteur der Welt), Gregor Peter Schmitz (Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen Zeitung), Ulrike Herrmann (Wirtschaftsredakteurin der taz), Eva Quadbeck (stv. Chefredakteurin Redaktionsnetzwerk Deutschland RND) sowie Melanie Amann (Mitglied der Spiegel-Chefredaktion) und Markus Feldenkirchen (Redakteur und Korrespondent beim Spiegel) geworden. 

Boulevardisierung der politischen Kommunikation 

Für den Unterhaltungswert der Polit-Talks und die Qualität der Information aus Sicht der Zuschauer ist die Präsenz fachkundiger Journalisten einerseits sicher ein Zugewinn. Andererseits geraten inhaltliche und programmatische Fragen der Politik, wie besonders in Talk-Sendungen über den Bundestagswahlkampf 2021 beobachtet werden konnte, in den Hintergrund und machen Debatten über die Persönlichkeit und banale Befindlichkeiten von KandidatInnen zunehmend Platz: „Warum hat Laschet gelacht?“ und „Warum lacht Scholz niemals?“, „Welche Angaben im Lebenslauf von Baerbock sind unvollständig?“ oder „Warum trug Außenminister Maas Turnschuhe zum Fototermin?“

Insofern bedienen die Talk-Formate auch ein selbstreferenzielles Konstrukt zwischen Medien und Politik, das genau jene Themen pusht, mit denen am besten Quote und Auflage gemacht werden kann – und das eher die Boulevardisierung der Politik als politische Inhalte in den Fokus nimmt.  

So gelingt New Work für Redaktionen

So gelingt New Work für Redaktionen

Wer sich die Stellenanzeigen für RedakteurInnen in den vergangenen Monaten ansieht, stößt nicht selten auf Jobangebote, die potenziellen BewerberInnen anbieten, zumindest einen Teil der Wochenarbeitszeit im neuen Job auch im Homeoffice verbringen zu können. So erbrachte im Oktober 2021 eine Suchanfrage nach Redakteurstätigkeiten auch oder ausschließlich im Homeoffice in einschlägigen Jobbörsen knapp 150 Angebote. Das überrascht nach der allmählich zu Ende gehenden Corona-Pandemie nicht, in der etliche Verlage und Medienhäuser entweder Kurzarbeit beantragt und Teile der Belegschaft ins Homeoffice beordert hatten, oder aus gesundheitlicher Fürsorge und praktischen Gründen mit hybriden Arbeitsplatzkonzepten zwischen Büro und Homeoffice experimentiert haben.

Auf dem Wunschzettel des journalistischen Nachwuchses

Darüber hinaus steht „Mobiles Arbeiten“ neben der Unternehmenskultur und einer möglichst ausgeglichenen Work-Life-Balance ganz oben auf dem Wunschzettel des journalistischen Nachwuchses. Ein Wunsch, der auch zur fortschreitenden Digitalisierung in der Medienproduktion passt, und der dem Anspruch von Arbeitgebern nach Flexibilität, Mobilität und Motivation der  BewerberInnen entgegenkommt. 

Führungskräfte in der Medienbranche, die sich Produktivitätsvorteile davon versprechen, virtuelle Workspaces für RedakteurInnen zu schaffen und mobiles Arbeiten sowie Homeoffice-Tätigkeiten häufiger als vor der Corona-Pandemie anzubieten, erhöhen aus Sicht vorwiegend junger  Bewerber damit sicherlich ihre Reputation in den Stellenmärkten. Deshalb hat sich der Begriff  „New Work“ durchaus zu einem Code für die Attraktivität von Stellenangeboten in der Branche entwickelt.  

Allerdings müssen auf Unternehmensseite dazu einige Vorüberlegungen angestellt und Voraussetzungen geschaffen werden:

Klare Kommunikation

Arbeitgeber, die sich dazu entschließen, dem Wunsch von Beschäftigten nach Homeoffice-Arbeitsplätzen nachzukommen, müssen überzeugt davon sein, dass dieser Schritt richtig ist und diese Überzeugung auch im Mitarbeiterkreis kommunizieren. Eventuell wurden Homeoffice-Konzepte während der Corona-Pandemie bereits – freiwillig oder unfreiwillig – getestet, und die Arbeitsergebnisse haben sich in dieser Phase nicht verschlechtert. Das würde für eine Fortsetzung bzw. die Wiederaufnahme von New-Work-Modellen sprechen. Diese sollten dann jedoch nachhaltig und mit einer lang- oder zumindest mittelfristigen Perspektive entwickelt  werden, um Planungssicherheit in der Arbeitsorganisation und für die betroffenen Mitarbeiter zu gewährleisten.

Betriebliche Vereinbarung

Eventuell ist – je nach Betriebsgröße und den jeweiligen rechtlichen Gegebenheiten – der Abschluss einer Betrieblichen Vereinbarung zum Thema „Mobiles Arbeiten“ nicht nur sinnvoll, sondern auch erforderlich. Abgesehen von der Rechtssicherheit, die aus Sicht von Arbeitgeber und Arbeitnehmer damit verbunden ist, hat diese vertragliche Vereinbarung den Vorteil, fortgesetzte Diskussionen in der Belegschaft über das Recht auf Homeoffice bzw. Mobiles Arbeiten zu befrieden. Eine Mustervorlage für eine Betriebliche Vereinbarung zum Thema „Mobiles Arbeiten“ finden Sie hier: https://www.haufe.de/recht/deutsches-anwalt-office-premium/9-arbeitsschutz-iv-muster-betriebsvereinbarung-mobiles-arbeiten_idesk_PI17574_HI11617330.html 

Technisch-organisatorische Barrierefreiheit

RedakteurInnen benötigen das gleiche Equipment und die gleiche technisch-organisatorische Umgebung im Homeoffice oder auf Reisen, das sie an ihrem Büroarbeitsplatz zur Verfügung haben – zusätzlich dazu eine performante Datenleitung, ggf. über einen VPN-Dienst. Die Ausstattung des Workspace erfordert deshalb die Investitionsbereitschaft von Unternehmen. Und auch im Fall von hybriden Arbeitsmodellen, das für definierte Wochenarbeitstage den regelmäßigen Wechsel vom Büoarbeitsplatz in das Homeoffice und umgekehrt vorsieht (z.B. drei Arbeitstage Büro und zwei Arbeitstage Homeoffice o.ä.), sollten die betroffenen RedakteurInnen jeweils nahtlos ihre Arbeit fortsetzen und ohne Zeitverlust an die Aufgaben anknüpfen können, die sie zuvor am anderen Arbeitsplatz ausgeführt haben.

Mindset Führungskraft

Weitere wichtige Voraussetzungen betreffen die grundsätzliche Einstellung und den Mindset von Führungskräften in der Medienbranche. Hierbei spielen besonders persönliche Eigenschaften und berufliche Erfahrungen eine Rolle, die in Führungskräfteseminaren häufig mit der Fähigkeit und Bereitschaft zur Delegation von Verantwortung in Zusammenhang gebracht werden. Wer Führungskulturen wie Management by Exception (Korrektur der Mitarbeiter nur in Ausnahmefällen) oder der systemischen und situativen Führung prinzipiell misstraut und für sich „nahes Führen“ mit konkreten Zielvorgaben (Management by Objectives) als erfolgsvorsprechend definiert hat, dürfte sich mit New Work und Homeoffice-Konzepten nicht leicht tun. Denn ohne einen Vertrauensvorschuss gegenüber redaktionellen Mitarbeitern, die für sich die Vorteile steigender Zeitsouveränität durch mobiles Arbeiten erkannt haben, können diese Modelle nicht gelingen.

Der Vertrauensvorschuss besteht

  • in die Loyalität, 
  • in die Fähigkeit zur Selbstorganisation und das Zeitmanagement,
  • in die proaktive Kommunikationsfähigkeit,
  • in die Ergebnisorientierung,
  • in die hohe Motivation,
  • in die Teamfähigkeit sowie
  • in die technische Souveränität der Mitarbeiter.

Mindset RedakteurIn

RedakteurInnen sollten sich neben dem Vertrauensvorschuss ihrer Führungskräfte über drei weitere wesentliche Voraussetzungen zum Gelingen von New-Work-Modellen im klaren sein:

  • Die Planung der individuellen Arbeitszeiten sollte mit den Arbeitszeiten des Redaktionsteams abgestimmt sein, und – außer im Fall von Schichtarbeit (z.B. Tätigkeiten im Newsroom bzw. zur Aktualisierung von Inhalten) – sollten alle Teammitglieder unbeschadet von individuellen Vereinbarungen dazu bereit sein, in der Kernzeit der Geschäftstätigkeit zur Verfügung zu stehen, die in der Regel von Produktionsintervallen vorgegeben ist; 
  • dazu gehört die Erkenntnis, dass Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit, z.B. hinsichtlich der vereinbarten Arbeitsabläufe und Termine eine wesentliche Voraussetzung für die Nachhaltigkeit des Arbeitsmodells ist;
  • RedakteurInnen sollten für ihre Tätigkeit im Homeoffice ein stabiles Umfeld geschaffen haben, das Konflikte zwischen Arbeit und Privatleben vermeidet bzw. konstruktiv lösen kann;
  • sie sollten flexibel auf wechselnde und sich überraschend ergebene Arbeitsanforderungen reagieren, die in nicht starren Arbeitsabläufen zum Beispiel durch technische Probleme oder den Ausfall von KollegInnen entstehen können und sollten letztlich
  • dazu bereit dazu sein, in einem iterativen (selbstlernenden) System mitzuarbeiten, in dem, besonders in den ersten Wochen und Monaten der neuen Arbeitsorganisation, eventuell nicht alles reibungslos verläuft.

Leser und Nutzer stehen im Fokus – nicht Medienprodukte!

Leser und Nutzer stehen im Fokus – nicht Medienprodukte!

Ganz oben auf der Website vieler Unternehmen steht das Bekenntnis zum Kunden, der angeblich im Fokus der Geschäftstätigkeit steht. Das Paradigma klingt gut. Vielfach ist es aber eher gut gemeint, als dass es der Wirklichkeit entsprechen würde. Denn tatsächlich stehen Produkte und Marken häufiger im Zentrum unternehmerischen Denkens und Handels als deren Abnehmer und Nutzer.

Das ist in Medienhäusern ebenso wie in Unternehmen anderer Branchen. Aber hier wirkt sich der Fokus auf Produkte – Zeitungen, Zeitschriften, AV-Formate und digitale Angebote – offensichtlich noch gravierender aus als in anderen Märkten. Woran liegt das?

Die „Währung“ Information wird immer weicher

Medienunternehmen bieten vor allem zweierlei: Informationen und Services. Bei Informationen liegt das Problem vor, dass vieles kostenlos im Internet zu haben ist. Natürlich ist das Wasser, mit dem Publisher im Netz ihre Angebote abkochen, häufig sehr dünn. Sich im Zweifel darauf zu verlassen, kann gewaltig in die Irre führen: Aktualitäts- und Plausibilitätsnachweise fehlen, die Informationen wurden nicht oder nur teilweise recherchiert, sondern per Copy and Paste auf die eigene Website übertragen, Google belohnt die Befolgung von SEO- Kriterien und nicht unbedingt die Integrität von Informationen etc. Trotzdem scheint das viele Nutzer nicht zu scheren: wofür bezahlen, was es auch kostenlos gibt? 

Zum anderen hat die „Währung“ Information an Wert verloren, weil sie inflationär verteilt wird: in immer höheren Dosen, immer häufiger und über immer zahlreichere Medienkanäle. Deshalb haben viele Unternehmen seit langem Dienstleistungen für sich entdeckt, die sie Lesern und Nutzern über die nackte Information hinaus bieten. Von Corporate Publishing über Paid-Content-Modelle und Veranstaltungs- und Messeservices. Dabei passen die Serviceangebote jedoch nicht immer zur Marke des Medienprodukts und zu seinem Informationscharakter. 

Smartphone: kulturelles Symbol der Disruption

Das heißt: Die Medienbranche handelt mit Produkten und Leistungen, die vielerorts als nice to have, aber häufig nicht mehr als must have betrachtet werden. Als inflationär, nicht (mehr) jedoch als einzigartig. In einer Welt aber, in der die Befriedigung individueller Bedürfnisse Trumpf ist und in der sich das multifunktionale Smartphone zum kulturellen Symbol der Disruption aufgeschwungen hat, muss der Kunde in der Medienbranche absolut und mit aller Konsequenz in den Fokus der strategischen Planungen rücken. 

In einem Whitepaper, das Sie sich hier kostenfrei herunterladen können, stelle ich die Aufgabe dar, der sich Medien nach meiner Überzeugung ganz entschieden stellen müssen. Nichts erscheint mir nach vielen Jahren der praktischen Unterstützung von Verlagen, Redaktionen und in der Unternehmenskommunikation so wichtig, wie die Klärung der folgenden Fragen:

  • Wer sind unsere Leser und Nutzer ganz konkret? Wie sehen sie aus, wie können wir sie uns „bildlich“ vorstellen?
  • Welche Informationen und journalistischen Inhalte suchen unsere Leser und Nutzer?
  • In welchen Medienkanälen und mit welchen Formaten erwarten sie unsere Angebote?
  • Wann und in welcher Frequenz wünschen sie sich die Inhalte?
  • Wie können wir Leser, Nutzer, Werbekunden und Geschäftspartner noch stärker an unsere Angebote binden?

Customer Centricity sichert den Erfolg auf umkämpften Märkten

Das Whitepaper vermittelt das Verfahren der Customer Centricity in fünf methodisch aufeinanderfolgenden Schritten: 

  • Schritt 1: Zielgruppe(n) segmentieren und User Personas entwickeln
  • Schritt 2: Integriertes Content Management aufbauen
  • Schritt 3: Kundenvorstand einsetzen und Unternehmenskultur reorganisieren
  • Schritt 4: Kunden zu Markenbotschaftern entwickeln
  • Schritt 5: Mit Netzwerken die Kundenloyalität stärken

René Borbonus, erfolgreicher Berater für berufliche Kommunikation und Rhetorik-Experte, beobachtet seit langem eine „kognitive Ermüdung“ von (Medien-)Konsumenten, die mit dem steigenden Informationsangebot Jahr um Jahr stärker um sich greife. Daraus kann nur Eines folgen: Lesern und Nutzern möglichst präzise die Inhalte zu präsentieren, nach denen sie suchen und die sie erwarten, ist keine Frage des guten Willens oder der Ästhetik, sondern eine Frage des Überlebens auf saturierten und umkämpften Märkten!

So machen Sie Ihre Meetings erfolgreich und effizient

So machen Sie Ihre Meetings erfolgreich und effizient

„Schon wieder ein Meeting?!“ Kaum ein Medienhaus, in dem dieser Klageruf nicht häufig zu hören ist. Kein Wunder, denn im Gegensatz zu externen Veranstaltungen mit Kunden und Partnern werden interne Meetings nicht selten oberflächlich oder überhaupt nicht vorbereitet. Dabei ist Zeit ein knappes Gut und wenn sie Mitarbeitern sprichwörtlich auf den Nägeln brennt, weil sich bei der Besprechung die Themen wieder und wieder im Kreise drehen und nicht zu Ende gebracht werden, sind Frust und Ärger groß. Deshalb zeigen diese zehn Empfehlungen aus der Praxis, wie Sie die Effizienz Ihrer analogen und digitalen Meetings nachhaltig steigern können.

Alle Besprechungen werden fest terminiert. Findet eine Besprechung digital, zum Beispiel als Videokonferenz statt, ist das schon deshalb notwendig, weil sich alle geladenen Teilnehmer pünktlich einwählen sollen. Ihre Mitarbeiter müssen aber auch Face-to-face-Meetings planen und sich darauf vorbereiten können. Vermeiden Sie es deshalb Besprechungen nach dem Motto „Wir sollten uns mal wieder austauschen…“ anzuberaumen. Ausnahme: Außerordentliche und aktuelle Ereignisse, die eine zeitnahe Zusammenkunft erforderlich machen. Zur festen Terminierung gehört auch die Vorgabe einer Uhrzeit, zu der das Meeting beendet sein sollte. Versuchen sie dazu, den Kommunikations- und Diskussionsbedarf einzuschätzen.

Serien-Meetings überprüfen. Selbstverständlich sind regelmäßige Redaktionskonferenzen und Strategiebesprechungen zur Planung und Steuerung der Medienproduktion notwendig. Die Terminierung von Redaktionskonferenzen orientiert sich dabei an den Erscheinungsintervallen der Medienprodukte, und Strategiebesprechungen an der mittel- und langfristigen Gesamtplanung, an der neben der Verlagsleitung I Geschäftsführung und Redaktion zumeist Mitarbeiter aus den Bereichen Produktmanagement, MediaSales und Vertrieb teilnehmen. Vermeiden Sie die Ansetzung weiterer Serien-Meetings, wenn diese nicht wirklich erforderlich sind. Nicht jedes Meeting muss in Serie gehen, außer es handelt sich um zeitlich begrenzte Vorhaben wie die Abwicklung eines Projekts.

Setzen Sie Ziele und fordern Sie Ergebnisse. Besprechungen legitimieren sich am besten durch klar definierte Ziele. Wenn zum Beispiel u.a. über die Gestaltung der Titelseite einer Zeitungsausgabe entschieden werden muss, liegt das Ziel einer Redaktionskonferenz auf der Hand. Jedem Teilnehmer ist klar, warum sich das Team versammelt. Das ist jedoch nicht der Fall, wenn zu einem ergebnisoffenen Austausch eingeladen wird und die Kommunikation dann ausufert. Hierbei stellt sich schnell Frust bei allen Beteiligten ein. Deshalb: Setzen Sie kein Meeting an, ohne in der Einladung auch gleich das Ziel der Zusammenkunft zu kommunizieren. Das fördert den Teamspirit!

Laden Sie immer schriftlich ein. In aller Regel werden Meetings mittel- bis längerfristig geplant. Gut geführte und organisierte Besprechungen sind Milestones im Kalender und geben dem operativen Geschäft Struktur und Orientierung. Darüber hinaus werden diese Termine ernster genommen, wenn eine schriftliche Einladung vorliegt. Meine Empfehlung: Versenden Sie Ihre Einladungen über einen elektronischen Kalender und nicht über Ihren Mail-Account. So erhalten sie automatisierte Teilnahmebestätigungen, die Ihre Organisation vereinfachen. 

Zu jedem Meeting gehören Agenda und Ergebnis-Protokoll. Wie gesagt, Besprechungen kosten Zeit – und mitunter auch Nerven. Damit sich alle Beteiligten rechtzeitig einen Überblick über die Ziele und Inhalte eines Meetings machen können, listen Sie die Tagesordnungspunkte in einer Agenda auf und sorgen dafür, dass ein Mitarbeiter die Meeting-Beschlüsse in einem kurzen Ergebnisprotokoll zusammenfasst. Meine Empfehlung: Alle Besprechungsprotokolle werden kontinuierlich an einer zentralen Stelle gesammelt (elektronischer Dokumentenordner auf dem Server, Intranet etc.). Dann können alle Mitarbeiter (auch jene, die nicht anwesend waren) darauf zugreifen und wissen, was beschlossen worden ist.

Prüfen Sie Ihre Teilnehmerlisten. Bestimmt erfordert nicht jedes Meeting die volle Team-Besetzung. Laden Sie deshalb ausschließlich Mitarbeiter ein, die einen Beitrag zum Thema leisten können und von denen Sie ein Statement erwarten. Mit anderen Worten: Laden Sie Teilnehmer zum Meeting, die das Thema etwas angeht. Andererseits sollten Sie jeweils überprüfen, ob die Teilnahme von Mitarbeitern aus anderen Unternehmensbereichen über das eigene Team hinaus eventuell sinnvoll sein kann, um zu einer gemeinsamen „Sicht der Dinge“ zu kommen. Beispiel:  Eine zeitgemäße multimediale Inhalteplanung sollte bereichsübergreifend organisiert werden. Sie ist das Herzstück jedes Mediums. Daher ist es sinnvoll, Vertreter aller Ziel- und Anspruchsgruppen zur Redaktions- oder Themenkonferenz einzuladen – bei Bedarf also auch MediaSales, Marketing und Vertrieb. Es müssen ja nicht alle Beteiligten die gesamte Zeit über am Meeting teilnehmen; bisweilen genügt die zeitlich begrenzte Teilnahme weiterer Experten. 

In der Kürze liegt die Würze. „Eigentlich ist schon alles gesagt worden, aber wohl noch nicht von jedem…“ Auch dieser Eindruck drängt sich in Besprechungen nicht selten auf, vor allem wenn schon einige Zeit ins Land gegangen ist. Versuchen Sie Ihre Besprechungen deshalb zeitlich knapp zu planen. Damit bauen Sie Druck auf und unterstützen die Ergebnisorientierung. Außerdem sollten zunehmende Redundanzen in Besprechungen ein Signal an den Moderator sein, auf das Ende der Veranstaltung zu drängen. Meine Empfehlung: Trainieren Sie eine stringente Sitzungsführung – arbeiten Sie die Tagesordnungspunkte methodisch ab, dokumentieren Sie Beschlüsse und Ergebnisse, bremsen Sie „Vielredner“ beizeiten ein und ermuntern Sie hingegen jene Teilnehmer, die sich nicht in den Vordergrund drängen, dafür aber eventuell wertvolle Beiträge leisten könnten.

Delegieren Sie die Moderation. Die Teamleitung muss nicht immer die Moderation aller Besprechungen übernehmen. Ganz im Gegenteil: Mitarbeiter fühlen sich eingebunden und wertgeschätzt, wenn Sie Ihnen ab und an (oder sogar in einem regelmäßigen Turnus „reihum“) die Führung von Meetings übertragen. Damit steigen für gewöhnlich die Aufmerksamkeit und die „Ich-Beteiligung“ der Teilnehmer. Achten Sie aber darauf, dass nur jene Mitarbeiter die Moderation übernehmen, die den nötigen Überblick über die Themen, den Respekt der Teilnehmenden und die nötige Autorität und Durchsetzungsfähigkeit haben. Meine Empfehlung: Spendieren Sie einigen Team-Mitgliedern eine Weiterbildung für die Moderation von Veranstaltungen und Besprechungen! Das zahlt sich aus.

Visualisieren Sie Ihre Ziele und Themen. In den meisten Besprechungs- und Konferenzräumen gibt es Flipcharts, Pinnwände oder Whiteboards, die viel zu selten genutzt werden. Dabei könnten sie dazu verwendet werden, die Tagesordnung anschaulich zu präsentieren, komplexere Themen oder Problemstellungen als Cluster oder Cloud zu skizzieren und den Diskussionsverlauf als Mindmap dazustellen. Meine Empfehlung: Großformatige Visualisierungen sorgen für Klarheit und Übersicht – und komprimiert verschriftlichte Ergebnisse lassen sich mit dem Smartphone abfotografieren und als PDF dem Ergebnisprotokoll anfügen!

Sitzen Sie noch – oder stehen Sie schon? Leider rutscht manchen Teilnehmern an Besprechungen regelmäßig der Puls in die Knie, und die Augenlider werden schwer und schwerer… Um das zu verhindern könnten Sie einmal ein Experiment wagen und Ihr nächstes Meeting zu einem „Stehempfang“ umfunktionieren. Laden Sie dazu in einen Besprechungsraum ein, den Sie zuvor mit Steh- oder Bistrotischen ausstatten lassen. Meine Beobachtung: „Stehungen“ machen wach und haben gegenüber Sitzungen einen deutlichen Produktivitätsvorteil; die Meetingdauer verkürzt sich und die Diskussionen unter den Teilnehmern werden in aller Regel dynamischer.

Sie interessieren sich für weitere Informationen zu den Themenbereichen Redaktionsmanagement, Crossmediale Themenplanung und Digitalisierung der Inhalteproduktion, Workflow- und Qualitätsmanagement, Optimierung redaktioneller Abläufe und Customer Centricity? Hier geht es zu meiner Website!

12 Tipps aus der Praxis für erfolgreiche Videokonferenzen und virtuelle Meetings

12 Tipps aus der Praxis für erfolgreiche  Videokonferenzen und virtuelle Meetings

Millionen Menschen sitzen im Home Office, buchen Webinare und nehmen an Videokonferenzen teil. eLearning und eConferencing: Digitale Techniken, die für viele Berufstätige vor der Pandemie noch exotisch waren, werden zum Normalfall. In der Regel funktioniert nach einiger Aufregung am Anfang auch alles reibungslos. Videokonferenzen haben jedoch auch ihre Tücken, die beachtet werden sollten.

  1. Mit der Technik vertraut machen

    Wenn Sie als Mitarbeiter eines Unternehmens zu einem Video-Call eingeladen werden, haben Sie keinen Einfluss auf die Auswahl des Tools. Ob mit Zoom, GoToMeeting, MS Teams, Skype oder einer anderen Plattform gearbeitet wird, hängt von IT-technischen und datenschutzrechtlichen Bestimmungen und Erwägungen Ihres Arbeitgebers ab und entzieht sich Ihrer Entscheidung. Machen Sie sich in jedem Fall aber vor dem ersten Call mit den wesentlichen Funktionen und Features der Technik vertraut. Eventuell gibt es ein kleines Handout oder Tutorial, das per Mail zugestellt wird und die wichtigsten Funktionen vor dem ersten Meeting erklärt. Falls das nicht der Fall ist, informieren Sie sich doch im Internet und schauen Sie sich die von allen Anbietern zur Verfügung gestellten Video-Tutorials an!

  2. Welche Tools gibt es?

    Falls Sie beruflich selbständig sind und Ihre eigenen Mitarbeiter oder auch Kunden zu einem Call einladen, haben Sie die Möglichkeit, sich die Plattform Ihrer Wahl auszusuchen. Einen guten Überblick über verschiedene Tools finden Sie hier.

  3. Den richtigen Tarif wählen

    Bei vielen Plattformen für Videokonferenzen gibt es Kostenlos- bzw. Einsteigertarife, bei denen für kleines Geld ein vernünftiger Funktionsumfang gebucht werden kann. Grundsätzlich bieten Pro- und Premiumvarianten jedoch größere Leistungspakete, die bisweilen anzuraten sind und häufig als Abonnement abgerechnet werden. Die Preise halten sich für gewöhnlich durchaus im Rahmen und reichen, auf den Monat gerechnet, von rund 15,- bis 50,- €.

  4. Teilnehmerzahl und Veranstaltungsdauer beachten

    Achten Sie bei der Auswahl des für Sie geeigneten Tools und des Tarifs auf die Zahl der zuschaltbaren Teilnehmer sowie auf die mögliche Konferenzdauer. Beides sollte Ihren eigenen Plänen und Voraussetzungen entsprechen. Zum Beispiel macht es bei Business-Meetings wenig Sinn, wenn der Call bei der Kostenlos-Variante automatisch nach 40 Minuten beendet wird, und Sie bei längerer Dauer ein neues Meeting starten müssen. Das ist umständlich und wirkt wenig professionell.

  5. Checken Sie Ihre Internetverbindung!

    Die Qualität der Bild- und Tonübertragung ist der eigentliche „Flaschenhals“ für den Erfolg von Videokonferenzen, und die Erfahrung zeigt, dass verschiedene Systeme hierbei sehr unterschiedlich sind. Natürlich hängt die Performance auch von der eigenen Bandbreite des Netzes ab. Daher stellen Sie Ihren Rechner bitte nicht in einem „toten Winkel“ Ihrer Wohnung auf! Insgesamt gesehen lohnt es sich auf jeden Fall immer, verschiedene Plattformen vor der Entscheidung für ein Tool im Freundes- oder Bekanntenkreis zu testen!

  6. Diese Funktionen und Features sollte Ihre Plattform anbieten

    Zum Funktionsumfang eines guten Tools sollte das Screensharing gehören. Damit können Sie Ihren Bildschirm „teilen“, das heißt: Die anderen zugeschalteten Teilnehmer können Dokumente auf ihrem Desktop sehen, die Sie zeigen wollen.Ferner benötigen Sie eine Chatfunktion, mit der wie bei einem Messenger-Dienst während der Videokonferenz Kurznachrichten an Teilnehmer versenden können und – falls Sie der Host, also der Veranstalter des Calls sind –, den Chat generell auch für den freien Nachrichtenaustausch unter den Teilnehmern freischalten können. Auch das Recht, jeweils ihren eigenen Bildschirm zu teilen, sollten Sie als Host anderen Teilnehmern erlauben können.

    Collaboration, also die Zusammenarbeit, ist ein wichtiger Schlüsselbegriff für erfolgreiches Videoconferencing. Zoom bietet hierzu die Nutzung eines Whiteboards. Über die Screensharing-Funktion hat hierbei jeder Teilnehmer Zugriff  auf ein Whiteboard, auf dem er Texte verfassen sowie Zeichnungen und Grafiken erstellen kann. Sein Ergebnis kann er anschließend teilen und den anderen Teilnehmern präsentieren. Damit können Aufgaben gemeinsam erledigt und Projekte bearbeitet werden. Zudem können mehrere Teilnehmer auch gemeinsam und „synchron“ auf einem Whiteboard arbeiten.

    Für einen Workshop, den Sie als Webinar auch über eine digitale Konferenzplattform veranstalten können, ist – je nach Teilnehmerzahl – die Organisation von Gruppenarbeiten von großem Vorteil. Dazu bietet zum Beispiel Zoom sogenannte breaking rooms, denen Sie als Host Teilnehmer manuell oder automatisiert zuordnen können. Auch in der Lehre ist diese Funktion von großem Vorteil!

    Darüber hinaus bieten manche Hersteller weitere Features wie beispielsweise Live-Umfragen unter den Teilnehmern, die jedes Meeting beleben und noch interessanter gestalten können.

    Selbstverständlich können Sie viele weitere digitale Tools zur Belebung Ihrer Videokonferenzen einsetzen. Zum Teil können Teilnehmer der Calls dabei auch ihre Smartphones oder Tablets zusätzlich verwenden. Eine kleine Auswahl lohnender Tools:

    Für Umfragen und Quizzes: www.sli.do

    Für Ideensammlungen („Lernsets“ mit Diagrammen und Schaubildern): www.quizlet.com und www.kahoot.com 

    Für den Einsatz multimedialer Bausteine („Apps“) sowie für Multiple-Choice-Umfragen www.learningapps.org 

    Für die visuelle Darstellung von Ergebnissen in Form von Infografiken: www.easel.lyund www.infograpia.com und www.padlet.com 

  7. Headset, Hintergrund, „On“ und „Off“

    Einige wichtige Hinweise zu Ihrem Equipment und zur Peripherie der Videokonferenz:

    Ich empfehle die Verwendung eines Headsets (Kopfhörer + Mikrofon). Das hat den Vorteil, dass Sie als Moderator leiser sprechen und mit dem Kopfhörer (am besten: binaural, „over the ear“) störende Nebengeräusche in Ihrer Umgebung (Home Office) ausblenden können. Zudem fühlen Sie sich freier in Ihrer Kommunikation.

    Achten Sie auf Ihren Hintergrund. Alle Teilnehmer der „Schalte“ sehen, je nach dem Bildausschnitt und der Fokussierung Ihrer integrierten Computer- oder extern positionierten Web-Kamera, in welchem Raum Sie sich befinden. Platzieren Sie sich deshalb vorteilhaft und zeigen Sie nur das, was Sie auch zeigen wollen. Manche Plattformen bieten auch die Möglichkeit, einen „künstlichen“ Hintergrund einzuspielen. Dies können vorgefertigte Bilder, ähnlich den Bildschirmhintergründen von Rechnern sein, oder eigene Fotos, die natürlich der Situation entsprechen sollten.

    Nicht nur für den Host, also den Veranstalter einer Videokonferenz, sondern auch für die anderen Teilnehmer, ist es angenehm, alle Gesprächspartner zu sehen – und nicht nur zu hören. Mit einem Monitor diskutieren zu müssen, auf dem lediglich die Namen der Teilnehmer zu lesen sind, wirkt befremdlich und verstärkt die „Künstlichkeit“ der Situation. Bitten Sie alle Teilnehmer deshalb, ihre Videoübertragung auf „on“ zu lassen. Der Erfolg zwischenmenschlicher  Kommunikation hat nicht nur mit der Wahrnehmung von Worten, sondern auch sehr viel mit Gesten und Mimik zu tun. Und wenn es jeweils auch nur ein kleiner Bildausschnitt von einer Person ist, den wir erkennen können: Kopfhaltung, Gestik und Mimik bringen zusätzliche Informationen, die wir für das Verständnis von Aussagen benötigen!

    Vergessen Sie nach Unterbrechungen (Pausen) des Meetings nicht, jeweils die eigene Bild- und Tonübertragung zu stoppen und fordern Sie auch die anderen Teilnehmer Ihrer Veranstaltung dazu auf. Denken Sie immer daran, dass Sie „live auf Sendung“ sind und alles, was in Ihrem Raum bzw. aus Ihrer Wohnung zu hören und zu sehen ist, übertragen wird…

  8. Programm planen und Agenda versenden

    Versenden Sie vor Ihrer Veranstaltung eine Agenda mit einem konkreten Programm. Möglicherweise sind Videokonferenzen für Ihre Teilnehmer noch ungewohnt. Teilen Sie deshalb konkret mit, was Sie planen, welche Themen behandelt und diskutiert werden sollen. Implementieren Sie in der Einladung auch die Pausen zwischen den einzelnen Sessions. Viele Menschen empfinden digitale Meetings als anstrengend. Das hängt vor allem mit der erzwungenen visuellen Fokussierung auf einen Bildschirm zusammen. Planen Sie die einzelnen Sessions deshalb nicht so lange wie bei Präsenzveranstaltungen, sondern auf jeweils 45 bis maximal 60 Minuten! Danach sollten Sie Pausen von zehn bis 15 Minuten setzen.Ein weiterer Tipp zur Einladung: Diese kann ruhig auch etwas aufwendiger gestaltet sein, um Lust darauf zu machen. Dazu eignen sich zum Beispiel schöne Vorlagen von Canva, die Sie als PDF versenden können.

  9. Starten Sie locker!

    Seien Sie locker! Stimmen Sie zum Beginn Ihres Video-Meetings alle Teilnehmer auf das vor Ihnen liegende Programm ein, erzählen sie, je nach dem Kreis Ihrer Teilnehmer, eine Anekdote aus Ihrem persönlichen Umfeld, beispielsweise wie Sie ihr Home Office organisieren und vor welchen Herausforderungen Sie selbst stehen. Das schafft eine zwischenmenschliche Note.

    Stellen sie anschließend das zuvor versendete Programm noch einmal mündlich vor und fragen Sie, ob es Anmerkungen oder Wünsche dazu gibt.

  10. Schaffen Sie eine Arbeitsatmosphäre mit Wohlfühlklima

    Da viele Menschen Konferenzen und Meetings on remote wie gesagt anstrengender als Präsenz-Veranstaltungen empfinden, sollten Sie auf viele Möglichkeiten zur Interaktion achten. Bedenken Sie: Sie sind nicht nur in der Rolle des Organisators, Moderators und/oder Vortragenden, sondern auch – bis zu einem gewissen Grad – in der Funktion des „Entertainers“. Das heißt: Sorgen Sie dafür, dass sich Teilnehmer immer auch selbst einbringen können, mitdiskutieren und Fragen stellen. Und: Fragen Sie auch selbst immer wieder nach, ob ein Thema verstanden wurde und ob jemand einen anderen Aspekt anführen will etc.

    Sie wissen: Die Aufmerksamkeits- und Lernkurve beginnt bei Präsenzveranstaltungen nach etwa 45 Minuten zu sinken, nach 60 Minuten liegt sie bei noch etwa 50 Prozent, bei 90 Minuten hört nur noch jeder zehnte Teilnehmer zu. Deshalb gilt bei Videokonferenzen unbedingt der Satz: Weniger ist mehr!

    Dazu gehört auch, dass Sie auf umfangreiche Foliensätze zur Präsentation verzichten sollten. Ein zu langer „Frontalunterricht“ per Video lässt die tapfersten Teilnehmer ermüden. Teilen Sie notwendige Präsentationen deshalb immer in möglichst viele kleine „Häppchen“ von maximal 15 Minuten auf.

  11. Vergeben Sie Aufgaben!

    Um Ihre Teilnehmer kontinuierlich bei Laune zu halten, eignet sich die Vergabe von Aufgaben. Um so besser, wenn Sie ab etwa einer Teilnehmerzahl von zehn Personen Aufgaben in Gruppenarbeiten lösen lassen können. Das erhöht das Interaktionspotenzial der Teilnehmer und macht Spaß! Interessant ist überdies das zum Beispiel bei Zoom im Funktionsumfang eingeschlossene Feature, dass Sie als Host nach der Einteilung der Teilnehmer in Gruppen, selbst jeweils als Gast an den Gruppendiskussionen teilnehmen und Teilnehmer so eventuell coachen können!

  12. Vereinbaren Sie gemeinsame Regeln

    Letztlich, das ist nicht immer zwingend erforderlich, kann aber je nach Zusammensetzung Ihrer Teilnehmer am Meeting hilfreich sein, können Sie sich beim Start der Veranstaltung auf die Einhaltung gemeinsamer Regeln verständigen. Zum Beispiel kann es darum gehen, in Diskussionen den jeweils anderen Teilnehmer ausreden zu lassen. Bedenken Sie, dass die Übertragung der akustischen Signale zumeist um Sekundenbruchteile verzögert „ankommt“. Wer hier dem anderen sofort und/oder ständig ins Wort fällt, sorgt für Nachfragen und Verständnisprobleme.

 

 

 

 

 

Eher Tragödie als „Marktbereinigung“

Eher Tragödie als „Marktbereinigung“

Ein Medienunternehmen nach dem anderen geht in Kurzarbeit. Die Einschätzung, dass der Lockdown für die Medienbranche zu einer Heimsuchung biblischen Ausmaßes werden kann, verdichtet sich. „Insolvenzen nicht ausgeschlossen“, meldet der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger und erwartet eine „Marktbereinigung“. Eine „Marktbereinigung“ oder ein Drama ist das, was wir zurzeit erleben (müssen), jedoch nicht. Eher schon eine Tragödie, denn per definitionem war das Ende des Weges vorhersehbar, auf den sich die Mehrzahl der Zeitungs- und Zeitschriftenhäuser vor gut 20 Jahren gemacht haben.

Verlagskrisen waren vor allem Krisen für Journalisten

Journalismus und Publishing liegen mir am Herzen. In welcher Form Wörter, Bilder und Grafiken auch immer Leser, Internetnutzer, Zuhörer und Zuschauer finden. Wenn sie integer recherchiert, clever durchdacht, gut aufbereitet, formatgerecht präsentiert werden und die Informations- und Servicebedürfnisse ihrer Anspruchsgruppen treffen, haben sie einen eigenen Wert. Sie machen die Qualität von Medien aus, formen ihren Charakter und bilden die Marke.

Wer die Branche kritisch begleitet – und das tue ich nach Positionen in diversen Chefredaktionen, im Verlagsmanagement und seit zehn Jahren in der Medienberatung –, weiß aber, dass Geschäftsführer in Verlagen und Medienhäusern redaktionellen Leistungen mitunter nicht immer die Anerkennung gegeben haben, die ihnen zugekommen wäre. Dafür verantwortlich ist vor allem, aber nicht ausschließlich, die wirtschaftliche Entwicklung: Die geplatzte Blase des Web 2.0 mit seinen hochgejazzten Profitfantasien, die Verlagskrise in den Jahren 2010/11 nach der globalen Finanzkrise 2008/09 und die enttäuschten Erwartungen an die Monetarisierungsfähigkeit digitaler Angebote. Das alles hat dazu beigetragen, dass aktuell nur noch rund 60 Prozent der Zahl an Redakteuren in fest angestellten Arbeitsverhältnissen tätig sind als noch vor zwei Jahrzehnten.

Redaktionen wurden ausgedünnt

Jede dieser Krisen hat dazu beigetragen, die Redaktionen in Medienhäusern ein Stück weit mehr auszudünnen. In keinem anderen Bereich wurden Arbeitsplätze derart dezimiert, und ich habe in dieser Zeit selbst erlebt, dass die Großen der Unternehmensberatungsbranche über Verlagsflure hetzten, um nach „überflüssigen“ Schreiberlingen zu fahnden. Nichts wirkte (aus Sicht ihrer Kunden) effektiver, als „überbesetzte“ Redaktionen zahlenmäßig zu kürzen, Redakteure vor der Altersgrenze in vorgezogene und staatlicherseits kofinanzierte Altersteilzeitlösungen zu drängen, offene Stellen nicht mehr zu besetzen und/oder mit Praktikanten auszuhelfen…

Bei allen Medienkongressen und Fachtagungen wurde zugleich „Qualitätsjournalismus“ gepriesen, Journalistenpreise wurden inflationär – und Parolen wie „Content is King“ gehören seit langem zum Selbstbild der Branche. Jeder weiß (theoretisch), dass mit großer Sorgfalt an Inhalten gefeilt werden muss, weil

  • die Informationsdichte durch eine immer noch steigende Zahl an Nachrichtenformaten weiter zunimmt,
  • der durchschnittliche Medienkonsument mit der Verarbeitung an Informationen zugleich hoffnungslos überfordert ist und sich eine Art von kognitiver Ermüdung breitgemacht hat,
  • seine Aufmerksamkeit deshalb immer schwerer zu gewinnen ist
  • und viele Informationen zudem kostenlos im Internet abgerufen werden können.

 

Das gilt für alle Mediensegmente, für Zeitungen, Publikums- und Fachzeitschriften, für Fernsehen und Hörfunk und auch für digitale Medien.

Investments in Technologien

Trotzdem hat man vielerorts die falschen Konsequenzen aus diesen Erkenntnissen gezogen: Investiert wurde vor allem in Werbemärkte, in Veranstaltungsformate und in Technik. Ja, Content Management Systeme zum Beispiel sind eine notwendige  Voraussetzung für die zeitgemäße Erstellung und multimediale Verteilung von redaktionellen Inhalten – aber sie können den Redakteur als Menschen nicht ersetzen. Es sind Werkzeuge, nicht mehr und nicht weniger. Sie knüpfen keine Kontakte zu Lesern, sie recherchieren nicht, sie inspirieren nicht. Weder Leser und Nutzer noch Redakteure.

Viele Arbeitsvorgänge in der sogenannten „Inhalteproduktion“ lassen sich standardisieren und vereinfachen, Prozesse können effizienter gestaltet werden, Maschinenintelligenz kann Workflows unterstützen. Am Ende des Tages jedoch hängt die Qualität der Inhalte – der Themen und der Beiträge – am Menschen. Und nur am Menschen!

Stöbern wir durch die Programme von Medienkongressen der vergangenen Jahre wird schnell offensichtlich, wie verräterisch die Themen und Titel der hoch gepriesenen „Future-Labs“ & Co. heute auf uns wirken: KI (Künstliche Intelligenz), Machine Learning, Robot-Journalismus, Data-Management, Big- und Smart-Data, Digital Business Modelling.
Der Mensch spielt im „Future-Lab“ kaum noch eine Rolle, außer als Bedienpersonal im Maschinenraum einer Brave New World. Dabei – und auch das ist keine Randnotiz –, prägen die Global Player, die Schönen und Reichen, die „Wer-hat-sie-noch-nicht-gesehen“ der Branche auf den Podien und in den Salons das Bild. Mehr noch: Sie geben den Ton vor und setzen die Themen.

Fatale Abhängigkeit von Werbemärkten

Dennoch: Wenn es denn tatsächlich zu einer breiten technologischen Offensive in der Branche gekommen wäre, insbesondere auf dem Feld der Digitalisierung, könnten wir uns zumindest über zukunftsfähige Lösungen bei der Auswahl von Verfahren und Tools freuen. Doch auch das ist ja nur in Ansätzen der Fall: Besonders in klein- und mittelständischen Verlagen sind digitalisierte Geschäftsprozesse eher selten anzutreffen. Mit der Innovationsfähigkeit ist es oft nicht weit her…

Besonders fatal wirkt sich jetzt jedoch die Abhängigkeit vieler klassischer Zeitungs- und Zeitschriftenverlage vom Wohl und Wehe der Werbemärkte aus. Lag das Verhältnis in der Ertragsstruktur zwischen Erlösen aus Leser- und Werbemärkten vor 20 Jahren in vielen Häusern und Segmenten noch bei durchschnittlich 60:40, ist es heute genau umgekehrt und tendiert zu einer Relation von 30:70. Deshalb ist es kein Wunder, dass die Existenzgrundlage einiger Verlage akut gefährdet ist. Selbst Tausende neu gewonnener Digitalabos während der Pandemie sind mitunter nicht mehr in der Lage, düstere Zukunftsaussichten aufzuhellen, weil sich der Einbruch auf der Werbeseite von zum Teil 70, 80 oder gar 90 Prozent zu katastrophal auf die Gesamtbilanz auswirkt.

Was jetzt passieren muss…

„Die Zukunft wächst in der Krise“, heißt es. Für die Verlagsbranche bedeutet das einerseits, sich neue Zugänge zu Leser- und Nutzermärkten zu schaffen, die Ansprüche und Erwartungen ihrer Abonnenten und Einzelkäufer intensiver als bisher zu analysieren, ihren Themenkanon auf die mit Marktforschungsmethoden entwickelten User- und Buyer-Personas konsequent auszurichten sowie systematisch mit Customer-Experience- und Customer-Journey-Modellen zu arbeiten. Diese in anderen Branchen seit langem und vielfach verwendeten Verfahren werden in Medienhäusern nach wie vor nur sporadisch und rudimentär eingesetzt.

Zum anderen, und das erscheint beinahe noch wichtiger, benötigen wir Ziele! Und das können nicht nur betriebswirtschaftliche Ziele sein.

Welchen Auftrag haben Medien? Einen Informations- und/oder Gestaltungsauftrag? Was wollen wir mit der Publikation erreichen? Wie schaffen wir es, die Werte, Einstellungen, Intentionen und Haltungen der Leser und Nutzer zu treffen, wie überraschen und begeistern wir sie? Wie werden unsere Produkte zu einem Teil ihrer Welt?

Menschen machen Medien

Um diese Fragen beantworten zu können, brauchen wir Menschen. Menschen aus Fleisch und Blut, die im Kreis unserer Leser und Nutzer unterwegs sind – und nicht Redakteure, die am Newsdesk standardisierte Nachrichtenkaskaden in alle Welt posten. Damit schaffen wir keine menschliche Bindung und keine Bindung zu unseren Produkten. Damit schaffen wir lediglich ein mehr oder weniger attraktives Umfeld für Werbekunden – wenn diese nicht ihre Aufträge stornieren…

 

 

 

 

 

 

Die schiefe Statik von PISA

Die schiefe Statik von PISA

Wenn wir den Ergebnissen der aktuellen und internationalen OECD-Schulleistungsstudie PISA glauben wollen, sind 20 Prozent der 15-jährigen Schüler in Deutschland nicht mehr dazu in der Lage, den Sinnzusammenhang einfacher Texte zu verstehen. Weil das traurig ist und besonders in der Medienbranche bedenklich stimmen muss, sollten wir dagegen halten. Zumindest versuchsweise und mit einem satirischen Augenzwinkern.

Dass Männer kaum noch lesen, ist ein bekanntes Phänomen. Viele Geschlechtsgenossen schätzen zwar das Prestige und den monetären Wert kostbarer Buchreihen, die in Wohnzimmerschränken und gut ausgeleuchteten Regalen präsentiert werden – die Werke-Sammlungen von Literatur-Nobelpreisträgern, die deutschen Klassiker, die Brockhaus-Gesamtausgabe (oder, sei’s drum, auch Brehms Tierleben oder das Große Meyersche Taschenlexikon) –, geblättert darin wird hingegen selten. Da muss die Sehnenscheidenentzündung in den Handgelenken vom unentwegten „Wisch und Weg“ auf dem Tablet oder vom Smartphone-Scrollen schon ziemlich schmerzhaft sein. Und auch das Fernsehprogramm muss noch miserabler ausfallen als ohnehin. Aber Lesen, richtig l-e-s-e-n? Gott bewahre!

Texte und Konsolen

Deshalb überrascht es kaum, dass unter dem ominösen Fünftel der 15-jährigen Beinahe-Analphabeten vorwiegend Jungs gezählt werden. Mit und ohne Migrationshintergrund. Jungs, – wer verstünde das besser als wir –, die alles lieber tun, als sich langweiligen Texten auszuliefern und kostenbare Lebenszeit totzuschlagen. Jungs, die auf E-Sport stehen und mit der Konsole morgens aufstehen und abends zu Bett gehen. Wenn überhaupt.

Mädchen sind, was das Lesen und das Verstehen betrifft, komplett anders gestrickt, erklären die Macher von PISA. Angeblich lieben sie kognitive Herausforderungen und das Synapsengewitter im Kopf, um manche um sich selbst herum gedrechselte Sätze wie diesen, zu verstehen. Angeblich lieben sie die stille Reflexion und das tiefe In-Sich-Selbst-Hinein-Versenken, das mit einer ernsthaften Lektüre einhergeht. Jungs dagegen, nun ja, sind eher fasziniert von der suggestiven Wirkung der Bilderfluten und von der Action schneller Mausklicks. 

Ein neues Familienmitglied!

Ist das so? Ich bin mir da nicht sicher, wenn ich an ganz alltägliche Erlebnisse denke. Zum Beispiel: Juhu, es klingelt, und der DHL-Bote bringt den neuen Camcorder, der gestern bei Amazon bestellt wurde! Sie wissen, wie ein frisch von der Kunststoff-Folie befreites elektronisches Gerät riecht?! Einfach köstlich! Dumm nur, dass das neue Familienmitglied nicht uns, sondern der Lebensgefährtin gehört.

Interessant aber ist der weitere Ablauf der Ereignisse. Sie (der Mann) dackeln frustriert an den Rechner zurück und tun, was sie im Home Office immer tun: Arbeiten, die Maus traktieren, Dokumente über den Monitor schieben, Mails aussortieren… Da plötzlich: „Sag mal, Schatz, kann es sein, dass der Camcorder kaputt ist? Der Aufnahmemodus funktioniert doch gar nicht!“ 

Mann liest und Frau schmollt

Der erste Impuls lässt sie nach dem Gerät greifen, dann aber fragen Sie: „Hast du die Betriebsanleitung gelesen, da muss doch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung drin sein!“ Schon bereuen Sie, denn da ziehen sich Augenbrauen zusammen und eine Stirn legt sich in ansonsten kaum sichtbare Fältchen: „Nein, ich hasse Betriebsanleitungen!“ Und so, wer hätte es gedacht, drehen sich die Rollen um: Mann liest und Frau schmollt. 

Zugegeben, es gibt kaum schlimmeren Lesestoff als Betriebsanleitungen. Besonders die berühmt-berüchtigten „Manuals“ US-amerikanischer oder asiatischer Hersteller, deren Übersetzungen ins Deutsche entweder zu Lachanfällen oder Wutausbrüchen führen. Je nachdem, ob man beim zehnten vergeblichen Versuch, das Ding zum Laufen zu bringen, hysterisch-hektisch oder aggressiv-verzweifelt wird. 

Frische Brötchen

Gleichwohl: Es gilt zu l-e-s-e-n, denn nicht alle komplexen Bauteile lassen sich so intuitiv verstehen wie das MacOS eines MacBook. Immerhin gibt es auch rätselhafte Systeme wie die Microsoft-Office-Suite. Jedenfalls: Frau weigert sich standhaft und hält die Dichter der Betriebsanleitung für „nur doof“. 

Die „Moral von der Geschicht’“? Dass Männer nicht mehr lesen ist eine Verleumdung. Wir in den Medien müssen es nur richtig machen. Lasst uns fortan also Betriebsanleitungen publizieren. Sie werden weggehen wie die frischen Brötchen!